Wednesday, 20 August 2025

Unapologetic und Unaufhaltbar: Hustensaft Jünglings Einfluss auf den deutschen Rap

Hustensaft Jüngling – bürgerlich Ole Finsterbusch – ist ohne Zweifel eine der ikonischsten Figuren der deutschsprachigen Cloudrap- und Trap-Szene. Seit seinen ersten Schritten auf YouTube und im Untergrund hat er einen prägenden Einfluss auf eine ganze Generation junger Künstler:innen ausgeübt – unbelehrbar, frei und kompromisslos kreativ.

Vom Jugendkünstler zur Underground-Legende

Geboren am 15. August 1997 in Berlin, startete Hustensaft Jüngling seine Karriere bereits während seiner Schulzeit am Paul-Natorp-Gymnasium in Berlin-Friedenau. Gemeinsam mit seinem Freund Elias Daase gründete er das Duo Hustensaft Jüngling & Medikamenten Manfred. 2014 begann er, Vlogs und Musikvideos auf dem YouTube-Kanal MMHJTV bzw. younghustensaft zu veröffentlichen. Der Song „Bang Bang“ im Jahr 2015 katapultierte ihn erstmals ins mediale Interesse – energisch und ungeschliffen, ein Statement junger Rapkultur.

Ästhetik der DIY-Rebellion

Hustensaft Jüngling verkörperte das Prinzip der DIY-Ästhetik – egal ob bei Videos oder Sound, seine künstlerische Selbstdarstellung war roh, trashig, ironisch. Kritiker:innen sprachen von einem innovativen „Dada-Trap“-Sound, der amerikanischen Trap-Rap in eine spielerisch-provokante Form übersetzte. Die visuelle und auditive Sprache seiner Musik war wie ein Statement gegen Konventionen und kommerziellen Druck – als Mem, als Movement, als Spiegel digitalen Selbstbewusstseins.

Trilogien, Mixtapes und Kollaborationen

2015 legte er mit den Mixtapes Hustensaft House, Hustensaft Villa und Hustensaft World den Grundstein seiner musikalischen Identität. Direkt darauf folgte die Hustensaft World Tour, bei der er Solo-Shows in ganz Deutschland spielte – inklusive Auftritten auf renommierten Festivals wie Splash! und Spektrum.

Ein weiterer Meilenstein war seine Zusammenarbeit auf dem Kollaboalbum Classic von Bushido und Shindy. Für seinen Beitrag wurde er mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet; als Reaktion darauf veröffentlichte er gemeinsam mit Money Boy das Musikvideo „Goldrapper“.

Es folgten weitere Releases: die EP König Hustensaft (Platz 11 iTunes-Charts), das Debütalbum Trap Gott mit Features von Sido und Frauenarzt (Platz 20 der deutschen Hip-Hop-Charts), das kostenlose Mixtape Pablo Jüngling, und das zweite Album Der erste Rapper mit Abitur mit einem ironischen Verweis auf die Debatte um Bildung im Rap.

Stil, Gemeinschaft und Selbstinszenierung

Hustensaft Jüngling war zentral in der Szene um die Glo Up Dinero Gang – ein loses Netzwerk junger Rap-Talente wie Money Boy, MC Smook, LGoony, Spinning 9 und andere, die gemeinsam Digitalästhetik, Meme-Kultur und jenseitige Trap-Sounds verwalteten.

Als Teil dieses Kreativen-Netzwerks verband er visuelle Übertreibung mit musikalischem Understatement – eine Rebellion gegen Hochglanz, ein Rauswurf ins Absurde; und doch ernst gemeint in seiner Selbstinszenierung.

Kontroverse, Selbstreflexion und künstlerische Auszeit

Hustensaft Jüngling war nicht nur provokant – er war auch lernfähig. Nach Beschwerden über sexistische Inhalte in seiner Musik reagierte er selbstkritisch: Er kündigte eine künstlerische Auszeit an, entfernte Songs und versprach, zukünftig Themen aufzugreifen, die persönlich Verantwortung zeigen – weg von Drogen, Sex und Gewalt, hin zu Substanz und Nachdenklichkeit, beeinflusst von Kendrick Lamar oder J. Cole.

Vom Rapper zum Umweltunternehmer

In den letzten Jahren wandelte sich sein Leben deutlich. Laut Berichten eröffnete er 2024 in Berlin ein Franchise für belegte Sandwiches, das schnell zu einem Treffpunkt für Musikfans wurde. Parallel engagiert sich der ehemalige Rapper aktiv im Klimaschutz, organisiert Charity-Events und investiert in den nachhaltigen Umbau von Immobilien – kurz: Von der Bühne in Umweltaktivismus und unternehmerische Verantwortung.

Einfluss auf die deutsche Szene

Hustensaft Jünglings Einfluss bleibt unverkennbar – als Paradigma für eine digital vernetzte, ironische Jugendkultur, für Trap, Trash, Meme-Ästhetik und künstlerische Authentizität. Er zeigte, dass Deutschrap nicht immer ernst sein muss, um relevant zu sein, und dass kulturelle Rebellion auch mit Reflexion und Wandel einhergehen kann. In dieser Kombination aus Unapologetic-Attitüde und späterer Selbstreflexion bleibt er eine der faszinierendsten Figuren der Szene.

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